Beschreibung der Motronic 2.4

1 - Hallgeber
2 – Drosselklappenpoti (links)
3 - Motortemperaturfühler
4 - Lufttemperaturfühler
5 - Lambdasonde
6 - Benzinpumpe im Tank
7 - Einspritzventil
8 – Motronic 2.4 mit Luftdrucksensor  

 

 

 
Die R1150 Boxermotoren der R, RT, GS und R1100S, sind mit der digitalen Motorelektronik MA 2.4 von Bosch ausgestattet.
Dieses Motorsteuergerät, Motronic genannt, arbeitet gegenüber der Version MA 2.2 schneller und erlaubt dadurch eine bessere Regelung.
In Verbindung mit der später eingeführten Doppelzündung konnte das Konstantfahrruckeln (KFR) verringert werden.
Über die unterschiedlichen Sensoren (siehe Bild) werden die Betriebszustände des Motors erfasst, die zur Regelung notwendig sind.
Der Zündgeber besteht aus zwei Hallgeberschranken (Hallsonde mit Magnet) mit denen die Position und Drehzahl der Kurbelwelle erfasst wird.
Kostengünstiger  Hallgeber Austauschtyp.
Vom Gasgriff über den Seilzugverteiler wird das Drosselklappenpoti am linken Zylinder angesteuert.
Die Stellung der linken Drosselklappe ist dabei die Führungsgröße für die gesamte Motorregelung.
Die Lufttemperatur (gemessen im Luftfilterkasten) und der Luftdruck (Sensor in der Motronic) dienen zusätzlich zur Berechnung der Luftmasse.
Damit ist die Motorregelung auch bei Bergfahrten für große Höhen ausgelegt und gewährleistet einen stabilen Motorlauf.
Mittels Alpha-n Steuerung ermittelt die Motronic die angesaugte Luftmenge für den linken Zylinder.
Die Drosselklappe des rechten Zylinders muss über den Gaszug gekoppelt, absolut synchron  mitlaufen,  denn der rechte Zylinder hat keine separate  Regelung und bekommt somit
die gleiche Spritmenge wie der linke Zylinder!
Aus diesen Sensordaten rechnet die Motronic, mittels der im EE-PROM gespeicherten Kennlinien, die Ansteuerzeit (Zeitfenster) der Einspritzventile.
Die Kraftstoffpumpe muss einen konstanten Druck von 3 bar fördern, welcher an den Einspritzventilen ansteht. Nur so ist über die Einspritzzeit stets eine genaue Spritmenge durch die
Motronic zu dosieren.
 
Startautomatik: Beim Starten und in der Warmlaufphase wird das Gemisch in Abhängigkeit der Öltemperatur angereichert.
Zusätzlich sollten bei kaltem Motor, mit dem Choke - Hebel, die Drosselklappen in 2 Stufen etwas geöffnet werden.  Somit wird eine Drehzahlanhebung um jeweils 500 UpM bewirkt.
 
Schubabschaltung: Bei warmem Motor (ab 70°C) im Schiebebetrieb, oberhalb 2000 UpM, wird die Einspritzung unterbrochen.
Damit wird Sprit gespart und eine gute Motorbremswirkung erreicht!
Über den Öltemperaturfühler wird der Regelung die Motortemperatur gemeldet.
 
Drehzahlbegrenzer: Ab 7900 UpM regelt die Motronic den Kraftstoff ab, das unmittelbar zur Drehzahlbegrenzung führt.
 
Lambdaregelung: Die Lambdasonde meldet den Abgaszustand (fett / mager) in Form einer analogen Signalspannung. Dazu muss sie im Kaltlauf elektrisch aufgeheizt werden, um frühzeitig

In Funktion zu kommen.
Sobald Sauerstoffatome bei einer mageren Verbrennung auf die Sonde auftreffen, wechselt die Signalspannung sprungartig von hoher auf niedere Signalspannung und umgekehrt!
Die Motronic korrigiert die Kraftstoffmenge bei abweichendem Idealgemisch über die Einspritzdauer und somit die Spritmenge.
Die L-Regelung geht dabei bis an die Magergrenze der Zündfähigkeit, um eine optimale Verbrennung mit geringem Schadstoffanteil zu bewirken.

Im hohen Leistungsbereich wird die L-Regelung zurückgenommen um die definierte Motorleistung zur Beschleunigung zu ermöglichen.
In Verbindung mit dem nachgeschalteten Katalysator wird somit eine gute Abgasreinigung erzielt.
Die L-Regelung ist allerdings eine Summenregelung, da nur eine Lambdasonde im gemeinsamen Vordämpfer für beide Zylinder zuständig ist.
Für einen runden und elastischen Motorlauf ist unbedingt auf gute Synchronität und ein intaktes Zündsystem zu achten!
Treten aus verschiedenen Gründen Zündaussetzer auf, so gelangt unverbranntes Benzin-Luftgemisch zur L-Sonde.
Dabei vermindert die L-Regelung die Kraftstoffmenge für beide Zylinder und verschlechtert somit die Zündfähigkeit des Gemisches.
Dadurch kann mehr o. weniger starkes Konstantfahrruckeln (KFR) b.z.w. unrunder Motorlauf auftreten.
Häufige Ursachen: schlecht synchronisierte Drosselklappen - schlechte Zündkerzen, Kabel o. Stecker - schlechter Sprit (unter 95 Oktan) - Fremdluft im Vergaser / Ansaugtrakt - Kraftstoffdruck zu nieder!
Im einfachsten Fall fehlen die Gummistöpsel zum Anschluss der Syncromanometer an den Venturirohren, oder sind altersbedingt porös und führen damit Leckluft zum Gemisch! 

         

                                                fett                       ideal                      mager  

 

 

Zündung:
Die Kennfeldzündung ist ebenfalls in der Motronic untergebracht und steuert direkt die Zündspulen, die in den Kerzensteckern eingebaut sind, an.
Mit Einführung der Doppelzündung wurde ein 2. Ausgang in einer geänderten Motronic 2.4, für eine zusätzliche Zündspule, integriert.
Damit konnte das Zündverhalten an der Magergrenze verbessert werden.
 
Notprogramm:
Fällt ein Steuersignal aus, so wird der Fehler abgespeichert. Die Motronic rechnet bis zur Behebung mit einem Ersatzwert weiter.
Das kann dazu führen, dass die maximale Motorleistung nicht mehr zur Verfügung steht und der Motor unrund läuft.
Einige Speichereinträge wie: Kalibrierung der DK-Potis und Fehler werden nach Abschalten der Batteriespannung über die Sicherung (F5) für die Motronic gelöscht.
In diesem Fall soll nach Einschalten der Zündung der Gasgriff 2 x voll durchgedreht werden. Damit kalibriert die Motronic das Drosselklappenpoti (Zweifachpoti) neu!
 
Tipp: Fällt der Hallgeber aus, geht natürlich nichts mehr. Deshalb nie mit dem Dampfstrahler direkt auf Steckverbinder und keinesfalls unter den Tank halten, denn
speziell die Motronic u. Hallgeber sind hochohmige Baugruppen die sehr empfindlich auf Feuchtigkeit reagieren b.z.w. ausfallen können!
Im Prinzip unterliegen die Hallgeber keinem Verschleiß. Sie sind jedoch durch die ständigen Temperaturwechsel Materialspannungen und somit Materialermüdung

ausgesetzt.

Vor dem Hallgeberwechsel würde ich jedenfalls auf Eisenspäne im Luftspalt achten, denn in den Magnetschranken sitzt jeweils ein kräftiger Permanentmagnet,

der aus dem Umfeld auch gerne Eisenspäne anzieht, die Störungen verursachen können.

Mit dem Motronictester MoDiTeC (der BMW Händler hat's), oder dem GS 611, können über eine Schnittstelle alle diagnoserelevanten Daten ausgelesen und der Fehlerspeicher gelöscht werden.
 

 

10.01.2019 überarbeitet,

Rolf Grauer