Beschreibung der Motronic 2.4

1 - Hallgeber
2 – Drosselklappenpoti (links)
3 - Motortemperaturfühler
4 - Lufttemperaturfühler
5 - Lambdasonde
6 - Benzinpumpe im Tank
7 - Einspritzventil
8 – Motronic 2.4 mit Luftdrucksensor  

 

 

 
Der  BMW R1150  Boxermotor in der R, RT und GS verbaut, ist mit der digitalen Motorelektronik MA 2.4 von Bosch ausgestattet.
Dieses Motorsteuergerät, Motronic genannt, arbeitet gegenüber der Version MA 2.2 schneller und erlaubt dadurch eine bessere Regelung.
In Verbindung mit  der später eingeführten Doppelzündung konnte das Konstantfahrruckeln (KFR) beseitigt werden.
Mit dem Motronictester MoDiTeC (der BMW Händler hat's) oder dem GS 611 können über eine Schnittstelle alle diagnoserelevanten Daten ausgelesen und der Fehlerspeicher gelöscht werden.
Über die unterschiedlichen Sensoren (Bild) werden die Betriebszustände des Motors erfasst, die zur Regelung notwendig sind.
Der Zündgeber besteht aus zwei Hallgeberschranken (Hallsonden mit Magnet) mit denen die Position und Drehzahl der Kurbelwelle erfasst wird.
Kostengünstiger  Hallgeber Austauschtyp.
Vom Gasgriff über den Seilzugverteiler wird das Drosselklappenpoti am linken Zylinder angesteuert.
Die Stellung der linken Drosselklappe ist dabei die Führungsgröße  für die gesamte Motorregelung.
Die Lufttemperatur (gemessen im Luftfilterkasten) und der Luftdruck (Sensor in der Motronic) dienen zusätzlich zur Berechnung der Luftmasse.
Damit ist die Motorregelung auch bei Bergfahrten  für große Höhen  ausgelegt und gewährleistet einen stabilen Motorlauf.
Mittels Alpha-n Steuerung ermittelt die Motronic die angesaugte Luftmenge für den linken Zylinder.
Die Drosselklappe des rechten Zylinders muss über den Gaszug gekoppelt,  absolut synchron  mitlaufen,  denn der rechte Zylinder hat keine separate  Regelung und bekommt somit
die gleiche Spritmenge wie der linke Zylinder.
Aus diesen Sensordaten rechnet die Motronic, mittels der im EE-PROM gespeicherten Kennlinien, die Ansteuerzeit (Zeitfenster) der Einspritzventile.
Die Kraftstoffpumpe muß einen konstanten Druck von 3 bar fördern, welcher an den Einspritzventilen ansteht. Nur so ist über die Einspritzzeit stets eine genaue Spritmenge durch die
Motronic zu erreichen.
 
Startautomatik: Beim Starten und in der Warmlaufphase wird das Gemisch in Abhängigkeit der Öltemperatur angereichert.
Zusätzlich sollten bei kaltem Motor, mit dem Choke - Hebel, die Drosselklappen in 2 Stufen etwas geöffnet werden.  Somit wird jeweils eine Drehzahlanhebung in 500rpm Schritten bewirkt.
 
Schubabschaltung: Bei warmem Motor (ab 70°C) im Schiebebetrieb, oberhalb 2000 rpm, wird die Einspritzung unterbrochen.
Somit wird Sprit gespart und eine gute Motorbremswirkung erreicht.
Über den Öltemperaturfühler wird der Regelung die Motortemperatur gemeldet.
 
Drehzahlbegrenzer: Ab 7900 rpm regelt die Motronic den Kraftstoff ab, das unmittelbar zur Drehzahlbegrenzung führt.
 
Lambdaregelung: Die Lambdasonde meldet den Abgaszustand (fett / mager) in Form einer analogen Signalspannung.
Sobald  Sauerstoffatome auf die Sonde auftreffen (magere Verbrennung), wechselt die Signalspannung sprungartig von  hoher  auf niedere Signalspannung; bei Lambda 1,0.
Die Motronik korrigiert die Kraftstoffmenge bei abweichendem Idealgemisch  über die Einspritzdauer und somit die Spritmenge bei konstantem Pumpendruck.
Die L-Regelung geht dabei bis an die Magergrenze der Zündfähigkeit um eine optimale Verbrennung mit geringem Schadstoffanteil zu bewirken.
In Verbindung mit dem nachgeschalteten Katalysator wird somit eine gute Abgasreinigung erzielt.
Die L-Regelung ist allerdings eine Summenregelung, da nur eine Lambdasonde im gemeinsamen Vordämpfer  für beide Zylinder zuständig ist.
Für einen runden und elastischen Motorlauf ist unbedingt auf gute Syncronität und ein intaktes Zündsystem zu achten!
Treten aus verschiedenen Gründen Zündaussetzer auf, so gelangt unverbranntes Benzin-Luftgemisch zur L-Sonde.
Dabei vermindert die L-Regelung die Kraftstoffmenge für beide Zylinder und verschlechtert somit die Zündfähigkeit das Gemisches..
Dadurch kann mehr o. weniger starkes Konstantfahrruckeln (KFR) b.z.w. unrunder Motorlauf auftreten.
Häufige Ursachen: schlecht syncronisierte Drosselklappen -  schlechte Zündkerzen, Kabel o. Stecker - schlechter Sprit (unter 95 Oktan) - Fremdluft im Vergaser / Ansaugtrakt - Kraftstoffdruck zu nieder!
 

         

                                                fett                       ideal                      mager  

 

 

Zündung:
Die Kennfeldzündung ist ebenfalls in der Motronic untergebracht  und steuert direkt die Zündspulen, die in den Kerzensteckern eingebaut sind, an.
Mit Einführung der Doppelzündung wurde ein 2. Ausgang in einer geänderten Motronic 2.4, für eine zusätzliche Zündspule, integriert.
Damit konnte das Zündverhalten an der Magergrenze verbessert werden.
 
Notprogramm:
Fällt ein Steuersignal aus, so wird der Fehler abgespeichert. Die Motronic rechnet bis zur Behebung mit einem Ersatzwert weiter.
Das kann dazu führen, dass die maximale Motorleistung nicht mehr zur Verfügung steht und der Motor unrund läuft.
Einige Speichereinträge wie: Kalibrierung der DK-Potis und Fehler werden nach Abschalten der Batteriespannung über die Sicherung (F5) für die Motronic gelöscht.
In diesem Fall soll nach Einschalten der Zündung der Gasgriff 2 x voll durchgedreht werden. Damit kalibriert die Motronik das Drosselklappenpoti (Zweifachpoti) neu!
 
Tipp: Fällt der Hallgeber aus, geht natürlich nicht´s mehr. Deswegen nie mit dem Dampfstrahler direkt auf Steckverbinder und keinesfalls unter den Tank halten, denn
speziell die Motronic u. Hallgeber sind hochohmige Baugruppen die sehr empfindlich auf Feuchtigkeit reagieren b.z.w. ausfallen können!
Im Prinzip unterliegen die Hallgeber keinem Verschleiß. Sie sind jedoch durch die ständigen Temperaturwechsel und damit Materialspannungen auch mechanischem
Stress und somit Materialermüdung ausgesetzt. Vor dem Hallgeberwechsel würde ich jedenfalls auf Eisenspäne im Luftspalt achten, denn in der Magnetschranke
ist ein kräftiger Permanentmagnet, der aus dem Umfeld auch gerne Eisenspäne anzieht und dann die Sensoren außer Funktion geraten können.
 

 

am 08.06.2012 überarbeitet,

Rolf Grauer